Zwischen Biermann und Bach
Auf dem Weg zur Matthäuspassion 2028
Begegnet bin ich der Matthäuspassion das erste Mal als Zwölfjähriger. Unter einem dicken weißen Kabel-Kopfhörer vor einer Braun Audio 308-Stereoanlage - damals der letzte Schrei neben orangen Plastikstühlen und braunen Polsterbezügen. Noch nicht in der Originalversion, sondern in Bearbeitungen des Jazz-Querflötisten Chris Hinze - "Sketches on Bach". Da war viel Sound der 70er und frühen 80er - herzzerreißende Synthi-Orgeln, eine brillante Rhythmus-Combo mit leichtem Bebop-Einschlag, Virtuosität wie bei den Swingel-Singers. Und doch immer wieder diese melancholischen Klangflächen: "So ist mein Jesus nun gefangen", mit peitschenden Einwürfen des Klaviers: "Lasst ihn, haltet, bindet nicht!". "O Schmerz, hier zittert das gequälte Herz". Oder "Wir setzen uns mit Tränen nieder". …